Wohin geht die Reise?

Wie oft habe ich diese Frage gehört? Vielleicht war es manchmal nur eine Floskel, wie die Frage nach der Befindlichkeit. Fragen, auf die niemand eine ernsthafte Antwort erwartet.

Wohin geht die Reise? Ein Quäntchen Neugier ist sicher immer dabei, wer diese Frage stellt  und zuweilen beneidet man den Reisenden um sein Glück.

 

Am meisten beeindruckt haben mich aber immer die Menschen, die die Frage am Kai stellten, kurz vor dem Ablegen eines Schiffes. Denn in dieser Frage lag oft die Sehnsucht nach etwas, das schwer zu beschreiben ist.

Sehnsucht nach der Ferne. so etwas gibt es. Nicht nur in den Schlagern und Seemannsschnulzen. Wie es auch Reisefieber gibt. Die unbändige Erwartung auf das Neue und Unerwartete.

 

Manchmal sprach aus der Frage nach dem Wohin aber auch so etwas wie die Sehnsucht nach einem ganz anderen Leben. Ausbrechen aus dem Alltagstrott, irgendwie frei sein, abschalten, wegtauchen, das alte Land hinter sich lassen...

In solchen Momenten erscheint der Seemann als Metapher für etwas, das es so natürlich nicht gibt. Seemannsromantik? In der Berufsseefahrt bleibt davon heutzutage (und auch früher) nicht allzuviel übrig.

 

Und doch: mir geht es noch heute so, wenn ich Schiffe sehe. Auch ich schaue heute vom Kai aus und immer noch packt mich so etwas wie Sehnsucht und ein bißchen Traurigkeit über verpasste Gelegenheiten.

Hätte ich nicht weiter und viel länger zur See fahren sollen? Wäre die Seefahrt nicht doch der Beruf gewesen? Das ganze lange Erwerbsleben lang? Wohin wäre meine Lebensreise dann gegangen?

 

Natürlich ist es müßig, solche Fragen zu stellen, auf die es keine Antworten gibt. Aber ein wenig träumen darf man ja immer noch.

Auch wenn es letztlich doch so ist, wie der Hundertjährige sagt, der aus dem Fenster stieg und verschwand:

Es ist wie es ist und es kommt wie es kommt.

 

Die Alexander von Humboldt verlässt den Hafen von Valparaiso.

Wohin geht die Reise?

Kommentar schreiben

Kommentare: 0