Wohin geht die Reise?

Die gleiche Frage habe ich im Januar gestellt. Ein Jahr geht wieder zur Neige. Wohin geht die neue Reise im neuen Jahr? Persönlich? Global? Ein Glückspilz, wer das voraussagen könnte. Oder der Überbringer einer Hiobsbotschaft? Gut, dass niemand weiß, wohin die Reise geht. Aber angesichts der globalen Situation kann man schon ins Grübeln kommen. Ist die Menschheit wirklich nicht fähig, aus einer jahrtausendalten Geschichte zu lernen? Immer weiter, immer schneller, immer größer lauten die Ziele, Wachstum ist das Zauberwort. Aber jedes Kind weiß, dass Bäume nicht in den Himmel wachsen. Ich denke, es ist Zeit für einen radikalen Paradigmenwechsel: wir müssen uns darauf besinnen, was wir sind: Winzlinge im Universum, von denen in ein paar tausend Jahren niemand etwas weiß. Der Staat muss sich endlich wieder die Wohlfahrt seiner Bürger auf die Fahnen schreiben, statt Banken zu retten und Marionette zu spielen für die Großindustrie. Wollten wir nicht schon einmal Waffen zu Werkzeugen und Pflugscharen schmieden? Wollten wir nicht schon einmal viel mehr ökologisch wirtschaften? Was ist uns Natur heute noch wert? Was Kunst und Geschichte? Wollten wir nicht schon einmal in den Entwicklungsländern Hilfe zur Selbsthilfe anbieten, statt Nahrungsüberschüsse, Pestizide, Müll und Waffen "auszusourcen"? Was sind UNO, Menschenrechtskonventionen und die Ächtung von Folter, Minen, geistiger und körperlicher Verstümmelung, von Verfolgung, Vergewaltigung, Krieg und Unterdrückung noch wert? Wir waren schon einmal weiter.

Fünf Minuten vor zwölf sei es, meinen manche. Mir kommt es manchmal so vor, als sei es bereits zehn Minuten nach zwölf. Schau´n wir also mal, was uns 2016 bringt.

Ich bin in meinem fünfundsiebzig Jahre langen Leben vom Optimisten zum Skeptiker geworden. Und dabei wünsche ich mir so sehr, dass ich wieder zum Optimisten werden könnte.

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