Die Zeit zurückdrehen

Ja, manchmal möchte man die Zeit zurückdrehen, sich in eine Zeit versetzen, in der man glücklich war, eine Zeit, die irgendwie Negatives nicht kannte oder man möchte einfach den eigenen Lebenslauf noch einmal neu gestalten. Ich bin da nicht so sicher, ob nicht die gleichen Fehler, Frustrationen und schmerzlichen Ereignisse in ähnlichr Weise  auch wieder auftauchen würden. Also lassen wir das Grübeln über etwas, das niemand zu ändern vermag.

 

Und doch, heute würde ich, wenn ich könnte, die Zeit gerne ein paar Wochen zurückdrehen und mich in die Silvesternacht 2016  hineinbeamen wollen. Warum?

Weil dann das folgende Gedicht, das mein Seelenverwandter Herr Bötticher geschrieben hat, besser bekannt vielleicht als Ringelnatz,  passgenauer wäre als heute. Trotzdem, hier ist es:

 

Die Zeit verrinnt. die Spinne spinnt

in heimlichen Geweben.

Wenn heute Nacht das Jahr beginnt,

beginnt ein neues Leben.

Daß bald das neue Jahr beginnt,

spür´ich nicht im geringsten.

Ich merke nur: Die Zeit verrinnt,

genauso wie zu Pfingsten.

 

 

 

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Wenn die Natur aus ist...

Was ist, wenn die Natur aus ist, fragt Woyzeck in Georg Büchners Fragment. Dann ist nichts mehr, wie es war, Schlagartig ändert sich alles.

Im Januar 2016 war die Natur plötzlich und ohne Vorwarnung aus. Mein guter Freund und Wegbegleiter über viele Jahre, unser Trauzeuge, Geschäftspartner, Organisator, Erzieher, Märchenerzähler, Visionär, Freund alter Fahrzeuge, Filme und Kinderlieder, stets freundlicher immer ehrlicher und bescheiden gebliebener Mann, ein liebenswerter und irgendwie zur Familie gehörender Mensch, Günter, ist plötzlich nicht mehr.

Wie oft saßen wir zusammen und haben die Welt verbessert. Das war unser Synonym für Diskussionen und Erörterungen des Weltgeschehens: Politik, Kunst, Wissenschaft, Natur und Naturphänomene, Psychologie, Technik und vor allem Wirtschaft, ein Gebiet, auf dem Günter so bewandert war, und vieles andere waren unsere Themen. Über den Zustand der Welt haben wir nachgedacht, haben Gestern und Heute verglichen und versucht, für uns Schlüsse daraus zu ziehen, was richtig und falsch war und ist, haben uns beklagt über die Schnelligkeit und Oberflächlichkeit unserer Tage, über den Verlust von Wissen und Fertig,keiten und waren doch in den Stunden unserer Diskussionen irgendwie glückliche Menschen. Denn wir haben nicht mit Verbitterung über die Welt geredet, sondern - auch wenn es pathetisch klingt - aus einer gewissen Altersweisheit, auch die nicht doktrinär oder besserwisserisch, nein wir haben die Welt doch irgendwie nachsichtig und mit einer ungeheuren Fantasie betrachtet. Und wir haben gesponnen, haben uns die tollsten Dinge ausgedacht, das Unmögliche, das Abstruse, das Surrealistische...Günter war ein Freund von Fragen, wie sie auch im Woyzeck zu finden sind. wie etwa über den Gedankensgtrich zwischen Ja und  nein ja - und nein. Ist das nein am ja oder das ja am nein schuld? Es war so schön, mit Günter herumzualbern.

Er fehlt mir so sehr.

 

An Tagen, wenn der Mond am Himmel steht und die Erde sich dreht, wie sie sich immer dreht

und das Leben ist so wie es ist und geht weiter,

da wünschten wir uns manchmal, dass die Welt - nur für einen winzigen Augenblick - anhält, still steht

und sich dann plötzlich anders herum dreht.

Jeder wir sagen, dass so etwas nie geht und auch nirgendwo geschrieben steht.

Aber man kennt doch der Ideen und Visionen Macht. Solche Dinge haben wir uns ausgedacht.

Haben uns wie Kinder über unsere Einfälle gefreut und gelacht.

Jetzt bis Du nicht mehr und unser Haus ist so still.

Gute Reise, mein Freund, farewell und gute Nacht.

 

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Vom Wesentlichen

 

Dass das Sammeln immaterieller Momente viel leichter ist, aber wesentlich schwerer wiegt, ist wohl die beste Erkenntnis meiner Reise.

Denn das Substanzlose erschwert den Rucksack nicht, aber bereichert die Seele.“

 

(aus: Johanna Wagner, Zwischen den Zeilen reisen, Südamerikanische Reisegeschichten

 ISBN 978-3-00-051755-6 / http://marieposamedien.com)

 

 

In diesem Sinne, die besten Wünsche für 2016

 

 

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Wohin geht die Reise?

Die gleiche Frage habe ich im Januar gestellt. Ein Jahr geht wieder zur Neige. Wohin geht die neue Reise im neuen Jahr? Persönlich? Global? Ein Glückspilz, wer das voraussagen könnte. Oder der Überbringer einer Hiobsbotschaft? Gut, dass niemand weiß, wohin die Reise geht. Aber angesichts der globalen Situation kann man schon ins Grübeln kommen. Ist die Menschheit wirklich nicht fähig, aus einer jahrtausendalten Geschichte zu lernen? Immer weiter, immer schneller, immer größer lauten die Ziele, Wachstum ist das Zauberwort. Aber jedes Kind weiß, dass Bäume nicht in den Himmel wachsen. Ich denke, es ist Zeit für einen radikalen Paradigmenwechsel: wir müssen uns darauf besinnen, was wir sind: Winzlinge im Universum, von denen in ein paar tausend Jahren niemand etwas weiß. Der Staat muss sich endlich wieder die Wohlfahrt seiner Bürger auf die Fahnen schreiben, statt Banken zu retten und Marionette zu spielen für die Großindustrie. Wollten wir nicht schon einmal Waffen zu Werkzeugen und Pflugscharen schmieden? Wollten wir nicht schon einmal viel mehr ökologisch wirtschaften? Was ist uns Natur heute noch wert? Was Kunst und Geschichte? Wollten wir nicht schon einmal in den Entwicklungsländern Hilfe zur Selbsthilfe anbieten, statt Nahrungsüberschüsse, Pestizide, Müll und Waffen "auszusourcen"? Was sind UNO, Menschenrechtskonventionen und die Ächtung von Folter, Minen, geistiger und körperlicher Verstümmelung, von Verfolgung, Vergewaltigung, Krieg und Unterdrückung noch wert? Wir waren schon einmal weiter.

Fünf Minuten vor zwölf sei es, meinen manche. Mir kommt es manchmal so vor, als sei es bereits zehn Minuten nach zwölf. Schau´n wir also mal, was uns 2016 bringt.

Ich bin in meinem fünfundsiebzig Jahre langen Leben vom Optimisten zum Skeptiker geworden. Und dabei wünsche ich mir so sehr, dass ich wieder zum Optimisten werden könnte.

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Endstation Sehnsucht...

Es gibt ja Songs, die gehen einem zeitlebens nicht mehr aus dem Sinn. Mull of Kintyre gehört für mich dazu.

Und ich war da! Habe die wunderbare Aussicht genossen, die von  keinem Touristen getrübte Stille, die nur ab und zu vom Blöken einiger Schafe durchbrochen wurde, die beginnende Blüte der Heide, die den ganzen Berg überzieht - und ich habe auf den Dunst gewartet, der vom Meer hereinrollt... Ein magisches Fleckchen Erde.



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Alles fließt...

...sagen die Philosophen. Und im Simplicissimus heißt es: Das einzig Beständige ist die Unbeständigkeit.

 

Hat sich nichts geändert? Wenn ich mich heute umsehe, finde ich jeden Tag einen neuen Trend, eine neue Mode, willkürliches Geplapper von selbsternannten Gurus, Starlets, Sternchen, ja selbst so mancher kluge Kopf meint, sich mit irgendetwas in die Medien bringen zu müssen. Vom dümmlichen Dahergerede mancher Politiker ganz zu schweigen. Alles scheint willkürlich geworden zu sein. Kaum etwas ergibt noch einen Sinn.

 

Dass sich die Dinge ändern ist nicht neu und gehört ja gewissermaßen zum Leben dazu. Aber mit welcher Geschwindigkeit sich heute vieles von einer Bedeutungslosigkeit zur anderen bewegt, ist atemberaubend.

 

Dabei wäre es so wichtig, ein klein wenig Kontinuität, Überschauberkeit und Zuversicht in die Dinge zu bringen. In die Politik, in die Bildungswelt, die Kunst...

So wie ein Fluss, der - bei aller Änderung und Unberechenbarkeit seines Laufes - doch Ruhe vermitteln kann und Gelassenheit und ein Wissen um einen Anfang und ein Ende, ein Einmünden in den Ozean. Ein Weg zu den grundlegenden Einsichten des Lebens...

 

Aber vielleicht ist das alles ja nur meine Empfindung. Die Welt dreht sich weiter. Auch ohne uns.

 

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Ein Schiff wird kommen....

"So stehe ich Abend für
Abend hier am Kai
Und warte auf die fremden Schiffe
Aus Hong-Kong, aus Java
Aus Chile und Shanghai..."

 

sang Lale Andersen 1960 und später andere Interpreten wie Catherina Valente, Nana Mouskouri u.a.

Manch einer wird die Namen vielleicht das erste Mal hören. Der Hobel der Zeit geht über so vieles hinweg. Schade manchmal.

 

Wir Heutemenschen brauchen allerdings nicht mehr Abend für Abend am Kai stehen und warten. Die modernen Medien und elektronischen Hilfsapparate erinnern uns schon rechtzeitig daran, was, wann und wo auf der Welt passiert.

 

Und weil das so ist, verkünde auch ich hier über meinen Blog: die alte Lady "Alexander von Humboldt 1", mit der mich so viele Erinnerungen verbinden, kommt am 18. April 2015 in den Europahafen nach Bremen und wird später an der Schlachte endgültig und nach dem Umbau zum Restaurant- und Hotelschiff vor Anker gehen.

Ich bin also wirklich gespannt darauf und - na klar - werde nicht nur einmal dem Schiff, das ich noch als Feuerschiff Kiel kenne, besuchen und mich in alte Fahrten zurückträumen.

Nach der Reise...

ist vor der Reise.

Ein wichtiges Utensil ist für mich der Schlafsack. Und damit ist auch schon klar, wie die Pläne für die nächsten Fahrten aussehen. Ungefähr wenigstens.

Von Frachtschiffreise bis zum Herumzigeunern mit unserem "Wohnmobil", einem umgebauten, siebzehn Jahre alten Citroen Jumpy gibt es zahlreiche Möglichkeiten, obwohl mir im Augenblick Schottland, die Highlands durch den Kopf geistern. Mal sehen. Wir werden uns spontan auf den Weg machen, wann immer uns danach ist.

Unser Schneckenhaus mit einer spartanischen, aber zweckmäßigen Einrichtung.

1968 war das unser "Expeditionsfahrzeug".

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Störe meine Kreise nicht

Archimedes soll diesen Satz zu einem Soldaten gesagt haben, der ihn in seinem Garten störte, als er mit einem mathematischen Beweis beschäftigt war. Es soll der letzte Satz des Archimedes gewesen sein, weil ihn der Soldat ob seiner Äußerung erschlug.

 

Gottlob ist diese Gafahr nicht sehr hoch, wenn man die imaginären geopgraphischen Kreise überschreitet, überfährt oder überfliegt, die den Globus überziehen: Null-Meridian, Äquator, südlicher und nördlicher Polarkreis. Alles Kreise mit einer Geschichte, mit einem Symbolgehalt und auch mit ganz lebenspraktischer Bedeutung wie etwa der Null-Meridian, nach dem sich das amerikanische Zeitzonensystem ausrichtet und der für die Seefahrt Bedeutung hat. Lange wurden Zeitangaben in GMT (=Greenwich Mean Time) gemacht. Seit 1972 gilt als Weltzeit UTC (=Universal Time Coordinated), aus der sich u.a. die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) durch Addition von einer Stunde ergibt.

 

Mit den Beschlüssen der Internationalen Meridiankonferenz betreffend den Nullmeridian, die Welt-Standardzeit, die Zeitzonen und die Datumsgrenze wurde der Welt ein "Koordinatensystem" verpasst, das den Anforderungen einer globalen Gesellschaft genügte. Es gilt mit kleinen Änderungen bis heute.

 

Es ist eine faszinierende Reise, sich mit den Zeitzonen und den anderen imaginären Kreisen zu beschäftigen, selbst wenn man diese Reise nur "mit dem Finger auf der Landkarte" unternimmt.

 

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Wohin geht die Reise?

Wie oft habe ich diese Frage gehört? Vielleicht war es manchmal nur eine Floskel, wie die Frage nach der Befindlichkeit. Fragen, auf die niemand eine ernsthafte Antwort erwartet.

Wohin geht die Reise? Ein Quäntchen Neugier ist sicher immer dabei, wer diese Frage stellt  und zuweilen beneidet man den Reisenden um sein Glück.

 

Am meisten beeindruckt haben mich aber immer die Menschen, die die Frage am Kai stellten, kurz vor dem Ablegen eines Schiffes. Denn in dieser Frage lag oft die Sehnsucht nach etwas, das schwer zu beschreiben ist.

Sehnsucht nach der Ferne. so etwas gibt es. Nicht nur in den Schlagern und Seemannsschnulzen. Wie es auch Reisefieber gibt. Die unbändige Erwartung auf das Neue und Unerwartete.

 

Manchmal sprach aus der Frage nach dem Wohin aber auch so etwas wie die Sehnsucht nach einem ganz anderen Leben. Ausbrechen aus dem Alltagstrott, irgendwie frei sein, abschalten, wegtauchen, das alte Land hinter sich lassen...

In solchen Momenten erscheint der Seemann als Metapher für etwas, das es so natürlich nicht gibt. Seemannsromantik? In der Berufsseefahrt bleibt davon heutzutage (und auch früher) nicht allzuviel übrig.

 

Und doch: mir geht es noch heute so, wenn ich Schiffe sehe. Auch ich schaue heute vom Kai aus und immer noch packt mich so etwas wie Sehnsucht und ein bißchen Traurigkeit über verpasste Gelegenheiten.

Hätte ich nicht weiter und viel länger zur See fahren sollen? Wäre die Seefahrt nicht doch der Beruf gewesen? Das ganze lange Erwerbsleben lang? Wohin wäre meine Lebensreise dann gegangen?

 

Natürlich ist es müßig, solche Fragen zu stellen, auf die es keine Antworten gibt. Aber ein wenig träumen darf man ja immer noch.

Auch wenn es letztlich doch so ist, wie der Hundertjährige sagt, der aus dem Fenster stieg und verschwand:

Es ist wie es ist und es kommt wie es kommt.

 

Die Alexander von Humboldt verlässt den Hafen von Valparaiso.

Wohin geht die Reise?

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Weihnachten auf See

Ein Tag wie jeder andere? Ja, doch. Denn der Schiffsbetrieb muss weiter gehen und so verschwindet Weihnachten oft hinter der Bordroutine. Vielleicht zaubert die Kombüse etwas Leckeres. Ein paar Gedanken an liebe Menschen an Land. Vielleicht eine Nachricht, die früher über Norddeich-Radio kam. Und manchmal sogar einen Augenblick voller Sentimentalität.

Auf den Segelschiffen vergangener Jahrhunderte gab es manchmal eine Sonderration Rum und ein paar Worte des Kapitäns.

 

In ganz seltenen Fällen kam ein Weihnachtsengel an Bord und verkündete seine Botschaft. So, wie 2002 auf der alten Alexander von Humboldt, einem Traditionssegler, der heute nicht mehr fährt.

 

Seemannsweihnacht 2002

 

Draussen vom Meer, da komm´ich her,

ich sage euch, es weihnachtet sehr.

Es glänzt und blinkt auf allen Wellen,

die Fischlein aus den Wogen schnellen,

geschmückt mit Glimmer und Lametta.

(Ist auch kein Wunder, bei dem Wetter)

 

Der Hai trägt pink, der Hering blau

und mancher fesche Kabeljau

hat gar ´ne Lichterkette

um seine Flossen zur Christmette.

Hosianna singen sie und Luja.

(Daheim war längst das Christkind da.)

 

Uns kommt vom Mast ein Engel nieder,

mit Strapsen und ´nem scharfen Mieder,

trägt huckepack den Santa Claus

und packt dann die Geschenke aus:

Kondome von Beate Uhse,

´ne Gummipuppe und was zum Schmuse´.

Parfüme, Seifen, Pheromone.

 

An unten nix und oben ohne

denkt mancher brave Seemann dann

und gar nicht an den Weihnachtsmann.

 

"Das alles ist nicht jugendfrei",

ertönt plötzlich des Bootsmanns Schrei,

"so´n Schwienkram wollen wir hier nicht,

lauscht besser, was der Nik´laus spricht!"

Mit Rauschebart und seiner Rute

verteilt er Julclub dann, der Gute.

Für jeden ist etwas dabei,

was es auch ist, ist einerlei.

 

Und wenn´s dann still wird ´ne Sekunde

dann blickt eine jeder in die Runde

und denkt ganz fest an seine Lieben,

die hier sind oder daheim geblieben.

 

Aber lasst uns auch reden, lachen, singen

und einen Toast auf´s Schiff ausbringen.

Denn sind wir erst auf den Antillen

um unser Fernweh dort zu stillen,

dann ist´s auch schon 2003

und unsere Reise ist vorbei.

 

(Fietje)

 

                   

Leichtmatrose Fietje als Weihnachtsengel und die "Bordkapelle". Irgendwo auf dem Atlantik.

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Stranger on The Shore

1960 habe ich Mr. Acker Bilk das erste Mal in der Ostseehalle in Kiel erlebt und vor einigen Jahren noch einmal in der Glocke in Bremen. Stranger on The Shore hat mich auf vielen Reisen begleitet und mich manchmal recht sentimental gemacht. Seemannslos. Na ja.

Jetzt ist Acker Bilk gegangen. Für immer.

Remember you and your music, Acker.

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Träume

Manche Träume werden wahr. Auch wenn es oft lange dauert. Jahre. Jahrzehnte.

Als ich jung war, träumte ich vom Meer. Ich las Bücher über Schiffe, Seefahrt, Abenteurer, Entdecker und Piraten. Eine Ecke der Welt faszinierte mich besonders: Kap Hoorn. Das Ende der Welt.

In späteren Jahren ging ich wirklich zur See, die ich in all ihren Facetten erlebte: ruhig, aufgewühlt, stürmisch, lebensbedrohend (einmal sogar mit Notruf SOS).

Die P-Liner der Laisz-Reederei hatten es mir besonders angetan. Frachtsegler von Deutschland nach Südamerika um Kap Hoorn.


Als Trainee und Leichtmatrose fuhr ich auf der alten Alexander von Humboldt, der Bark mit den grünen Segeln. 2006 umrundeten wir die Südspitze von Südamerika:Kap Hoorn. Wie die alten Frachtsegler von Ost nach West.

Mein Jugendtraum war in Erfüllung gegangen.

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Aus der Seele gesprochen

"In zwanzig jahren wirst du eher von den Dingen enttäuscht sein, die du nicht getan hast, als von denen, die du getan hast.

Also lichte die Anker. Verlasse den sicheren Hafen. Lasse die Passatwinde in die Segel schießen. Erkunde. Träume. Entdecke."

Mark Twain

(gefunden in: Vom Reisen. Ein Fotojournal. Edition frölich)

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Eine andere Wirklichkeit

Reise in die Welt der Schamanen und Zauberer, in eine andere Wirklichkeit?

 

Ist die Welt so, wie ich sie sehe? Längst weiß man ja, dass es nicht nur die eine Sicht der Dinge gibt.

Seit meiner ersten Begegnung mit Castanedas "Reise nach Xtlan" während meines Philosophiestudiums vor vielen Jahren, beschäftigt mich immer wieder die Frage nach der "Wirklichkeit", von der ja Goethe schon gesagt haben soll :"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde,als sich unsere Schulweisheit träumen läßt."...

(Auch Shakespeare hat Ähnliches gesagt: "There are more things in heaven and earth, [...] than are dreamt of in your philosophy." - 1.Akt, 5. Szene, Hamlet.)

 

Vielleicht faszinieren mich deshalb auch Masken. Masken als Vehikel, um in andere Welten einzutauchen - oder nur Narretei?

Auf jeden Fall gibt es  auf den Reisen des Lebens noch viel zu entdecken. Manche Reisen kann man sogar vom Sofa aus unternehmen.

Also, worauf warten wir?

 

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Juhls´

"In den fünfziger Jahren waren wir...nach Lappland gegangen. An der archaischen Lebensweise - so wie sie in alten Büchern beschrieben steht -haben wir damals noch teilnehmen dürfen. - Und wir liebten das Nomadenleben. Nachdem wir jedoch einander begegnet und uns darüber einig geworden waren, von welchem Hügel wir am weitesten sehen konnten, klammerten wir uns an ihm fest und blieben."

 

So beschreibt Regine Juhls den Anfang ihrer Zeit in Kautokeino. In Kautokeino leben heute ca. 3000 Menschen und vielleicht 100 000 Rentiere. Wer lebendige und authentische Samikultur erleben möchte, ist hier richtig.

 

Frank und Regine Juhls haben in Kautokeino ihren Platz gefunden und nicht nur ein einmaliges und eindrucksvolles Bauwerk geschaffen, sondern stellen auch Silberschmuck in einem wirklich einzigartigen Design her, das sich vielfach an Formen der Natur anlehnt.

 

Juhls´Silver Gallery ist  eine Reise wert.

 

"Manchmal", schreibt Regine Juhls "sind wir nicht sicher. Haben wir alles richtig gemacht? Vielleicht hätten wir viel mehr malen, schreiben - ach, so vie Anderes, Schönes, Guten tun sollen? Und doch: Was könnte sinnvoller gewesen sein als ein Haus zu bauen?... Jetzt, im September, möchten wir nirgends sein, als hier."

Unter

www.juhls.no

findet man weitere interessante Bilder und Informationen.

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Und kam die goldene Herbsteszeit...

 ... und die Birnen leuchteten weit und breit...

Ich weiß nicht, ob Fontanes Gedicht über den Herrn Ribbeck auf Ribbeck im Havelland aus dem Jahre 1889 heute noch in den Schulen vorkommt. Für mich ist es eine (positive) Erinnerung an meine Schulzeit und weite Teile des Gedichtes kann ich noch heute hersagen.

Kurz nach dem Mauerfall hatte ich den kleinen Ort Ribbeck besucht und nach dem Birnbaum Ausschau gehalten. Natürlich existiert der ursprüngliche Baum nicht mehr. Aber in einer Ecke vor der Kirche wuchs und wächst natürlich ein Birnbaum.

Ribbeck hat sich heutzutage herausgeputzt. Das Schloß, 1991 noch anderweitig belegt, ist heute wieder Schloß, mit einem kleinen Museum, einer hervorragenden Gastronomie, mit einem Park, in dem verschiedene Birnensorten kultiviert werden. Es gibt die alte Brennerei, die nicht nur Hochprozentiges herstellt und verkauft, die Kirche ist renoviert, in der alten Schule wird man verköstigt und die Ribbecker Heide lädt zu Wanderungen ein. Es gibt noch vieles zu entdecken.


Für mich ist der Ort (wie das ganze Havelland) ein Flecken Erde, der mich - obwohl nicht aus dem Havelland stammend - irgendwie an Heimat erinnert.


"...lütt Dirn, kumm man röwer, ich gev die ´ne Birn...!

So spendet Segen noch immer die Hand

der von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland."



Aquarell von Hans-Jürgen Gaudeck
Aquarell von Hans-Jürgen Gaudeck
Ribbeck
Kirche in Ribbeck
Havel
An der Havel
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Missverständnis

In meinem Blog Ästhetik des Zerfalls habe ich davon geschrieben, daß auch der Blick auf den Zerfall uns die Augen öffnen könne, für die Schönheit und Einzigartigkeit der Welt.

Etliche E-Mails haben mich erreicht, die sich gegen diese Ansicht wehren. Ich solle aufhören, mir die Welt schön zu reden. Es sei eine ungeheure Tragödie, daß die Welt und das Leben zerfalle, daß gerade heute angesichts der weltweiten Kriege, des fatalen Rassismus, der Verblendung religiöser Fanatiker, der brutalen Niederdrückung von Menschen und Meinungen, der rücksichtslosen Zerstörung der Natur etc. die Menschheit auf einen "Point of no return" zusteure, in dem die Welt im Chaos ende. Was soll daran noch ästhetisch sein, wurde gefragt.

Jedem einzelnen der Argumente kann ich zustimmen. Aber wenn irgendwo ein Sinn hinter allem stecken sollte (was auch ich immer mehr zu bezweifeln beginne), dann ist der Blick auf das Vergehende, auf den Zerfall auch so etwas wie Trost und Mahnung zugleich.

Nichts weiter wollte ich dagen.


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Reise zu sich selbst

Auf sich selbst besinnen und auf das, was einem wichtig ist im Leben. Ja, es muß schon etwas Existenzielles sein und keine oberflächlichen Wünsche.

Ich glaube, daß jeder Mensch irgendwann in seinem Leben die Frage nach dem Wesentlichen, dem Sinn stellt. Meist ist es ein einschneidendes Ereignis, eine Krankheit, ein Verlust, eine Bedrohung, eine Lebenskrise, das zum Nachdenken und Überdenken des eigenen Lebensweges führt.

 

Charly Chaplin hat am 16.4.1959 zu seinem siebzigsten Geburtstag die Frage nach dem Sein in eindrucksvoller Weise beantwortet. In einer Weise, die Richtschnur sein könnte für jeden von uns.

 

Nachzulesen ist die Rede auf dem in vieler Hinsicht eindrucksvollen Blog der Malerin Conny Niehoff unter dem Blogeintrag vom 7. September 2014: (An jedem Tag ein Lächeln)

http://connyniehoffskleinesglueck.wordpress.com/

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Ästhetik des Zerfalls

Was fasziniert am Zerfall? Alles, aber auch wirklich alles (einschließlich Sonne, Mond und Sterne) hat seine Zeit, entwickelt sich, altert. Und während wir den Fokus auf das Vitale, das Glatte, das Schöne (oder vermeitlich Schöne) richten, auf das Sensationelle, das was "In" ist, übersehen wir, daß auch im Zerfall (dem ja auch wir ausgeliefert sind) noch Strukturen sichtbar werden, die auf eine ganz eigenartige Weise ästhetisch sind und uns vor Augen führen können, wie wunderbar und einzigartig doch die Welt ist.

Zerfall
Ästhetik des Zerfalls (Carlshütte Büdelsdorf)
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Mal richtig Dampf machen...

Als kleiner Junge wollte ich - wie viele andere meiner Spielkameraden - Lokomotivführer werden. Die ungeheuren Dampfmaschinen faszinierten mich und sie tun es noch heute.

Schön, dass es noch einige der Lokomotiven gibt, die ein paar Waggons für Touristen durch´s Land ziehen.

Von Hoorn nach Medemblik in den Niederlanden z.B. fährt so ein Zug, wenn auch mit kleineren Lokomotiven. Aber der Spass an der Fahrt, die etwa eine Stunde dauert, ist die Reise wert.

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Faites simple

(mach es einfach) kann ein gutes Motto sein, hin und wieder auf die Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten eines All-iclusiv-Urlaubes oder einer Pauschalreise bewußt zu verzichten. Kein teures Hotel, kein Fernsehen, Welan, Pay-TV, Handy, Smartphone, geführte Ausflüge, Animation, Abarbeiten von Sehenswürdigkeiten ("...dann haben wir auch noch die Pyramiden gemacht...") und was es sonst noch so alles vorgefertigt und vorgekaut auf dem Tourismusmarkt gibt.

 

Bewußt auf etwas verzicht, sich der eigenen Grundbedürfnisse nähern, auf eigene Faust und abseits der Touristenpfade auf Entdeckung gehen, sich in der Natur aufhalten, unterwegs sein auf Wanderungen, mit dem Rad, mit Zelt, Paddelboot, auch mit dem Motorrad vielleicht - an Möglichkeiten mangelt es nicht.

Johanna Wagners Buch Schlaflos in der Regenzeit, (siehe unter Links) das den Untertitel Aufruf zur Einfachheit trägt, ist eine prima Motivation.

 

Die nordischen Länder, Schweden, Finnland und Norwegen (Ausnahme Dänemark) mit ihrem Jedermannsrecht, bieten sich in hervorragender Weise an.

Die Einfachheit, die das Leben in der Natur erfordert, ist nicht Verlust, sondern Gewinn. Rückbesinnung.

Wo ist der geeignetste Platz, um mein Zelt aufzuschlagen oder eine Weile zu bleiben, wo kann ich Wasser holen, wie bewerkstellige ich meine Körperhygiene, was kann ich essen etc.

Schon die Vorbereitung zu einer solchen Reise erfordert Planung und die Überlegung, was wirklich notwendig ist.

Schnell wird man erstaunt sein, mit wie wenig man tatsächlich auskommt. Das muss keine spartanische Reise weden. Nur was als Komfort definiert wird, ist anders als sonst. Nicht die weiche Daunendecke in einem Hotel, sondern Luftmatraze oder Matte und Schlafsack geben Schlafkomfort.

 

Man muß es einmal probieren. Es ist einfach herrlich, nach einer langen Wanderung, nach einer Errischung in einem Bach, Fluss oder See, nach einem einfachen Essen und einem Glas Rotwein (wer möchte: darauf muß niemand verzichten) in den Schlafsack zu krabbeln, noch einer Weile den Geräuschen der Natur zu lauschen und in einen gesunden Schlaf zu fallen.

Haben Sie schon einmal probiert, wie weit man mit fünf Litern Wasser kommt?

 

Einfach reisen - eine Erfahrung.

 

 

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Steine

Ja, auch Steine reisen. Wie die Vögel, die Wale, die Pflanzen. Steine reisen manchmal schnell im Geschiebe der Flüsse oder unendlich langsam mit der Drift der Kontinente. Oft werden sie abgeschliffen, verlieren ihre Ecken und Kanten. Manchmal werden sie sogar zermahlen.

Aber sie bleiben letztendlich in ihrem Wesen einmalig.

Jemand soll einmal zu den Steinen gesagt haben: "Seid menschlich." Aber die Steine haben geantwortet:"Wir sind noch nicht hart genug."

Steine
Steine von Kap Hoorn
Steinpyramide
Steinpyramide von Svalbard
Kieselsteine
Kieselsteine von der Insel Moen
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