John Harrison

 

Ich bin den großen unsichtbaren Fäden gefolgt, die von dem großen Nagel der Inuit im Norden, den wir Nordpol nennen, bis zu dem großen Nagel im Süden, dem Südpol, gespannt sind und wieder zurücklaufen zu ihrem Anfang im Norden. Fäden, die die Erdkugel überziehen, Schicksalslinien für Schiffe früherer Tage, denen es noch nicht vergönnt war, in der unendlichen Wasserwüste der Ozeane ihre Position zu bestimmen wie die Seefahrer unserer Zeit.

 

Ich bin den Schicksalslinien gefolgt bis ans Ende der Welt, den Meridianen, habe sie, wie die Breitengrade gekreuzt, habe mich niemals verloren gefühlt auf dem gigantischen unsichtbaren Spinnennetz, das unsere Erde umwebt und doch nur in unseren Köpfen und in den mathematischen Zeichen existiert, auch wenn See- und Landkarten ihren Abdruck, ihre Projektion als gezeichnete Linien, als Gitternetz wiedergeben.

 

 

Die Seeleute unserer Tage haben es einem einfachen schottischen Handwerker, dem Uhrmacher John Harrison, zu verdanken, dass sie stets wissen, wo sich ihr Schiff befindet. Harrison, der Jahrzehnte seines Lebens der Konstruktion eines seetauglichen Chronometer opferte und der genialen Idee, mittels einer Uhr den Zeitabstand zwischen Heimathafen und Irgendwo in den Weiten der Ozeane zu messen und daraus mit den Breitengraden, die man kannte, die Schiffspolition in einer simplen Rechenoperation zu bestimmen, Harrison triumphierte über die Lösungsansätze aller Gelehrten seiner Zeit.

 

Heute genügt ein Tastendruck und die elektronischen Navigationsgeräte nehmen einem selbst das kleine Einmaleins ab. Aber nur um den Preis blinden Vertrauens.

Aber noch immer faszinieren den Seemann die unsichtbaren Linien, die ein Schiff unter seinen Bug nehmen kann, queren oder kreuzen.

 

Es ist allein dem Menschen vergönnt, zu ahnen, daß er damit Teil hat an der Symbiose von Zeit und Raum, der Bestimmung eines Ortes auf dem dreidimensionalen Globus mit Hilfe der vierten Dimension, der Zeit, und er kann sich seines eigenen Standpunktes in der Unendlichkeit für einen kurzen Augenblick bewußt sein:siehe, hier ist mein Platz im Universum.

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