Norden - weit hinter dem Polarkreis

 

Norden. Eine Himmelsrichtung. Sicher. Aber die Himmelsrichtung, zu der sich selbst die metallenen Kompaßnadeln magisch hingezogen fühlen. Obgleich der Punkt, den sie uns weisen, ein unruhiger Geselle ist, der umherwandert auf dem Globus. Langsam, bedächtig, majestätisch, wie die Natur, die ihn umgibt. Eine kalte Natur. Eine ursprüngliche, archaische Welt, in der zuweilen aufleuchtende Himmelsgeister wohnen. In den Mythen und Sagen existieren sie bis heute.

 

Norden. Das ist der Teil der Welt, der Begehrlichkeiten weckt. Nach Kohle, Nach Metall, nach Öl. Der Teil der Welt, der den Militärs unendlich wichtig erschien, daß sie Stützpunkte errichteten in der arktischen Unwirklichkeit.

Wie viele Menschen hat der Norden verschlungen, aufgesaugz?ugt?

Tagebuch

Es geht ein Sog aus vom Norden, der mit unserer Sehnsucht nach dem Urprünglichen, dem Einfachen, der Weite, der Klarheit, dem Licht korrespondiert.

Die Natur im Norden besänftigt. Wenn wir es wollen.

Aber die Natur ist unerbittlich. Nur wer sich einläßt auf diese Natur, ihre Gesetze, hat die Chance auf Glück.

Die Archive sind voll von Geschichten vom Scheitern, von Zerrissenheit, Verzweiflung, Irrsinn, Brutalität und Tod.

 

Norden. Das ist magisches Licht. Rot, diffuses Blaugrau, unwirkliches Weiß, Grün und Gelb. Licht, das die Natur zum Leuchten bringt. Oft rasch wechselnd wie in einem Theater. Licht, herbeigesehnt nach einer langen Polarnacht, die selten so finster ist, daß der Mensch verweifeln könnte. Aber die Verzweiflung hat keine Jahreszeit.

Die Menschen im Norden wissen um die Wirkung des Lichts.

 

Norden. Eine Himmelsrichtung. Gewiß. Und eine Krankheit, von der man möchte, daß sie nie vergeht. SEHNSUCHT.

Tagebuch.
Aus dem Tagebuch einer Nordlandreise.
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